
Meine 'Schwestertante' ist in der letzten Woche verstorben. Schwestertante bedeutet - sie war meine Großtante und Klosterschwester.
Ich gebe zu - oft habe ich diese Klostergemeinschaften belächelt, etwas von oben herab betrachtet - altmodisch abgestempelt.
Ich habe in meiner Kindheit und Jugend einen recht zwanglosen Umgang mit Nonnen gelernt, da sie ihren Heimaturlaub oft bei meinen Großeltern verbrachten, und ich nicht nur die schwarzen frommen Frauen in ihnen gesehen habe, sondern auch den Menschen der dahinter steckt kennen lernen durfte. Es gab Spieleabende, lustige Runden, witzige Situationen und natürlich auch Zeiten der Besinnung und des Gebetes.
Ich habe viel von ihr gelernt, denn sie war Handarbeitslehrerin.
Sie hat Spuren in meinem Leben hinterlassen - sichtbare und unsichtbare - die unsichtbaren im Herzen, werde ich hüten und die Sichtbaren werden uns wohl noch einige Jahre Freude bereiten. So hat sie zum Beispiel die Kerze für unsere Hochzeit gestaltet - wunder wunder wunderschön - so genau passend zu uns und unserem Thema. Mit viel Aufwand und Liebe aus handgeknetetem Wachs, mit zwei Dochten - eine ähnliche hat sie einmal zu einer Bischofsweihe gestaltet. Aber ich merke - ich schweife ab ....
Gestern nun war Ihre Beisetzung - und natürlich waren viele Nonnen dabei - und da dachte ich spontan 'Eine Ära geht zu Ende'. Es gab dort nicht eine einzige wirklich junge Schwester. Ist Religion out - waren es wirklich nur die schlechten Zeiten, die vor vielen Jahren Frauen bewegten ins Kloster zu gehen ........... dies sind Gedanken, die mich seit gestern beschäftigen.
Ich stelle auch fest, dass ich wieder einmal voller Vorurteile war - ich dachte vor dem Gottesdienst 'Da werden sicher wieder die Uraltlieder gesungen' ......... weit gefehlt, es war ein Gottesdienst mit modernen Liedern, die mir, wie auch der Gottesdienst sehr gefallen haben.
der Tatsache, dass der Beruf der Nonne so langsam ausstirbt, kann man aber auch etwas Positives abgewinnen: Frauen haben heute einfach andere Möglichkeiten und MÜSSEN nicht mehr ins Kloster gehen. Wir hatten auch ein Nonne in der Verwandtschaft (sie wäre jetzt weit über 100). Sie ging ins Kloster als ihre Mutter starb, und sie mit 17 Jahren und einem despotischen Vater für 12 kleinere Geschwister sorgen müssen hätte.
AntwortenLöschen...ich gewinne dem durchaus sehr viel Positives ab - früher wurde man oft auch Nonne, um einen gewissen Bildungsgrad zu erlangen - 'meine Schwestertante' wäre im Leben keine Lehrerin geworden, wenn sie nicht das Kloster gewählt hätte. Heute steht das nicht nur Töchtern finanziell sehr gut gestellten Familien offen.
AntwortenLöschenIch frage mich nur, was passiert mit den ganzen Klöstern und Einrichtungen in ein paar Jahren??? Wer unterhält das??? Viele Hauwirtschaftsschulen stehen schon leer, mangels Nachfolger(innen) - wäre dieser Todesfall nicht gewesen, hätte ich sicher über solche Dinge nicht nachgedacht.