8. April 2011

Gedankenfäden

Ich trage so viele Gedankenfäden und -knäule in mir, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich bin so gefüllt mit den Ereignissen der letzten Woche und auch meinem ganz normalen Leben das einfach so weiter fließt und sich nicht von dem Erlebten beeinflussen lässt.

Ich habe noch nie einen Menschen kennengelernt der mit so viel Würde und Gottvertrauen auf den Tod zugelaufen ist. Es berührt mich unendlich tief.

Kann man von einem schönen Sterben reden? Wie sagt man dazu, wenn ein Mensch geht - wenn alle die zurückbleiben traurig und voller Schmerzen sind - wenn aber trotzdem alles stimmig ist, wenn alles kommt wie es sein soll und muss.

Wie kann es sein, dass Menschen, die sich nicht kannten plötzlich ein mentales Band verbindet, und man immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist - ohne Mail - ohne Handy - ohne Telefon - einfach durch das Gefühl?

Wann hört das Gefühlschaos wieder auf, ich kann herzhaft lachen und gleich darauf fließen Tränen.

Erlange ich jemals wieder meine berufliche Professionalität??? ....... will ich das überhaupt?

Kann ich je wieder Smalltalk machen? Im Moment explodiere ich fast, wenn ich von bestimmten Menschen die üblichen Phrasen höre.

Lerne ich Lob anzunehmen? Eigentlich muss ich mir eingestehen, dass ich gerne gelobt wurde - doch nun kann ich es kaum ertragen.

Wann kommt die Normalität zurück? Und was ist überhaupt Normalität?

Ist das für einen 0816 blog kein Thema über welches man schreibt - oder vielleicht zu kryptisch?

Kann ich im nächsten Eintrag einfach zu einem Muffinrezept oder einem Katzenfloh übergehen - und will ich das?

.......wann bin ich nicht mehr so, so müde?

4 Kommentare:

  1. Doch all das kann man, darf man.
    Es ist ja Dein Blog. Es darf mal dieses mal jenes Thema sein. Es ist gut, dass Du heute genau das geschrieben hast....fast zeitgleich mit meiner Mail. Da hatte ich hier noch nicht geschaut.
    Ich weiss nicht wie lange ich durcheinander, anders fühlender, nie mehr wie vorher wäre nachdem was Du mitgetragen hast. Ich bewundere Dich sehr, und bitte nimm es an. Du hast Ihr so viel gegeben. Sie Dir auch, wie ich hier rauslese. Nein, so wie vor alledem wirst Du nicht mehr. Das würde ich nun Lebenserfahrung nennen. Du hast vom Leben etwas erfahren, den Tod. Er wird so verschwiegen hier in unserer Welt. Das ist so seltsam, weil zu jedem Leben gehört er dazu.
    Auf einem der letzten Fotos von meiner Mama hält sie den "neuen" Enkel auf dem Arm. Das Bild ist nicht wirklich gelungen. Aber es geht so tief, wenn man es anschaut. Neues Leben, Leben das dem Ende zugeht...lange konnte ich das Bild nicht ertragen, nun mag ich es sehr.
    Ich weiss, dass es dazugehört, das Lachen und Weinen mit nur Sekunden dazwischen. Das ist einfach so.
    Ich drück Dich, und ich finde es so schade, dass wir doch sooo weit entfernt voneinander wohnen...
    Elisabeth

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  2. Liebe C., es fällt auch mir nicht leicht, die richtigen Worte zu finden.
    Allerdings kenne ich Deine Situation sehr gut. Ich habe im Rahmen meiner Arbeit im AIDS-Bereich auch viele Menschen begleitet, die zu meinem Freundeskreis gehörten.
    Ich war immer hin und her gerissen. Es tut so weh, und man wird immer wieder auf den Boden der Tatsachen gezogen.
    Man weiß, daß dem geliebten Menschen jetzt besser geht, daß das Leiden ein Ende hat.
    Man weiß aber auch, daß die Freude nur noch Erinnerung ist.
    Ja, irgendwann tut es nicht mehr nur weh, irgendwann fühlt man sich beim Lachen nicht mehr ertappt,
    irgendwann zählt es schon zur Normalität.
    Aber was immer bleiben wird, das sind die schönen Erinnerungen, für den Rest ist man irgendwann dankbar, daß man dabei sein durfte, daß man nicht ausgeschlossen war.
    Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, das ist jetzt wichtig.
    Ich umarme Dich ganz herzlich, ganz liebe Grüße, die Christiane

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  3. Hallo meine Liebe
    Ich kann dir versprechen, dass auch das dunkelste Tal ein Ende hat!!!
    Das ganze Gefühlschaos, in dem du jetzt steckst, ist ein Teil der Trauerphase und ist sehr heilsam. Mach das, wonach dir ist!! Wenn du traurig bist, dann heule. Wenn du einen schönen Moment erlebst, dann lache (ohne schlechtes Gewissen!!!) Wen du wütend bist, dann geh in den Wald und schrei dir die Wut von der Seele. Lass dir von niemandem vorschreiben, wie lange du traurig bist - du hast DEIN Tempo. Und über all dem ist da Gott, der dich sieht, dich versteht und dich tröstet. Mit IHM über alles zu reden hilft am allermeisten (das ist meine Erfahrung)
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und schicke dir liebe Grüsse
    Marianne

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  4. Vielen Dank für deinen Kommentar, ich habe dir eine Antwort in meinem Blog geschrieben. Ich kopiere sie hier nochmal:
    Vom Tod kann man das Leben lernen, so habe ich einmal gelesen. Geburt und Tod, die wohl intesivsten Momente im Leben eines Menschen.
    Einen Mensch in den Tod begleiten kann ein Geschenk sein, es ist aber ein Geschenk, dass man nicht gerne auspackt...und wenn man es trozdem tut, dann ist es ein grosser Gewinn für das eigene Leben. So empfinde ich das, aus dem was du schreibst.
    Ich wünsche dir, dass du diesen Glanz (des Lebens) immmer wieder spüren kannst.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

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