Und indes die Welt vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Erich Kästner
Dies ist eines von meinen Lieblingsgedichten der 13 Monate. Ich frage mich dabei aus welchem 'Stoff' bin ich, wer bin ich wirklich - wie oft bin ich vielleicht nur ein 'aufgeputzter Narr' ? Es bringt mich dazu mich und mein Leben ab und an neu zu überdenken.
Gerade in diesem Jahr muss ich, wenn ich diese Zeile lese an eine Familie denken, die hart an ihrem Schicksal trägt, und das Sorgenkleid sicher nicht einfach in die Truhe legen kann - gerade am Faschingsonntag.
Ich wünsche allen Lesenden hier eine schöne, lustige, närrische Zeit- und all jene, die nichts mit Fastnacht oder Karneval anfangen können, eine wunderbare Woche!
Hallo, dieses Gedicht ist wunderbar, ich kannte es nicht, aber genau so ist das Leben. An die Familie muß ich auch die ganze Zeit denken, es ist aber auch zu tragisch. Da wird man richtig dankbar und demütig, man nimmt sich selbst nicht mehr zu ernst. Ganz liebe Grüße, die Christiane
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