1. Februar 2011

Hospiz

Seit ein paar Jahren weiß ich, dass ich mich beruflich verändern möchte. Durch drei sehr prägende Ereignisse ist mir ganz deutlich geworden, dass es die Hospitzpflege/tätigkeit sein wird.

Ich bin mir sehr sicher, dass es das richtige Beschäftigungsfeld für mich wäre - und doch kann es nicht gleich sein. Ich müsste unabhängiger sein - und das kann ich nicht, solange die Kinder noch zu Hause sind.

Nun hat sich im privaten Umfeld eine 'Begleitung' ergeben - er war auf einmal einfach da - der Weg, den wir nun gemeinsam beschreiten. Wir haben nie darüber gesprochen, dass ich sie begleite....... und doch ist es klar.

Noch ist das Ende des Weges nicht in sichtbare Ferne gerückt - noch ist so viel geballtes Leben da - und doch zieht der Tod die Kreise immer enger - noch nicht sichtbar, aber fühlbar.

Noch ist so viel Lachen, Freude, Albernheit, Humor (manchmal auch schon Galgenhumor) in unseren Gesprächen - aber auch hier merke ich wie sich eine leise Wehmut einschleicht, wie die Gespräche immer mehr in die Tiefe gehen, auf das Wesentliche beschränkt. Wie sich manchmal Entsetzen breitmacht, wenn wir begreifen.

Noch berühren uns die gegenseitigen Tränen etwas eigentümlich, nicht schamhaft - es gibt keinen Ausdruck dafür.....

Sie ist mir täglich nahe - und ich merke mit jedem Tag stärker wie aus einer Sympathie eine Bekanntschaft, und aus der Bekanntschaft eine Freundschaft und aus der Freundschaft eine Liebe zum Herzen dieses Menschen wird.

Doch dann kommen auch Momente, wo ich Angst habe - Angst zu versagen - Angst das nicht aushalten zu können - Wut, weil es so ist wie es ist - Trauer und Tränen - schlechte Laune und ungerecht sein - Zweifel an mir selbst .............. und doch möchte ich es so



Keiner wird gefragt
wann es ihm recht ist
Abschied zu nehmen
von Menschen
Gewohnheiten
sich selbst

irgendwann
plötzlich
heißt es
damit umgehen
ihn aushalten
annehmen
diesen Abschied
diesen Schmerz des Sterbens

dieses Zusammenbrechen
um neu
aufzubrechen


(Margot Bickel)

27. Januar 2011

Gegensätze

In mir war heute so viel Gegensätzliches, ein Wechselbad von Stimmungen und Gefühlen.

Heute war die Beisetzung einer Tante meines Mannes - ein bedrückendes Gefühl, wenn man in die trauernden Gesichter des Mannes, der Kinder und Enkelkinder schaute. Andererseits aber auch ein Gefühl von Erleichterung und Dankbarkeit das die Verstorbene nun nicht länger leiden musste.

Während der Messe einerseits das andächtige Gefühl weil der Pfarrer nicht nur seinen 'Job' machte, sondern besonders einfühlsam war - auf der andern Seite musste ich in mich hineingrinsen, weil der Orgelspieler das wunderschöne Lied 'Von guten Mächten wunderbar geborgen' im 3/4 Walzertakt spielte.

Während der Beisetzung ständig tuschelnde Menschen hinter mir, die mich einfach nur wahnsinnig nervten. Der Ärger über mich selbst, mich so ablenken zu lassen. Dann wiederum der letzte musikalische Trompetengruß ihres Schwagers, als nur noch der engste Familienkreis im Friedhof stand - und der mir mit Verklingen des letzten Tones so viele wunderbare Gedanken bescherte.

Die 'Verpflichtung' (auch als Fahrer der Schwiegereltern) auf den Leichenschmaus zu gehen einerseits - andererseits lernte ich eine Cousine meines Mannes kennen und es entwickelte sich ein sehr, sehr intensives Gespräch.

26. Januar 2011

Juhuuuuu -

 ich habe wieder eine Nähmaschine!!!

Seit Montag bin ich wieder im Besitz einer Nähmaschine. Ich habe genau die billige, wahrscheinlich für jede begeisterte Näherin lächerlich anmutende Discounternähmschine, die ich  die ich jahrelang benutzt habe. Seit einem Jahr ist meine alte Maschine nun kaputt - nicht mehr zu reparieren. Seit einem Jahr bringe ich es nicht übers Herz sie wegzuwerfen.
Meiner Mutter bin ich wohl ständig auf die Nerven gefallen, weil ich gefühlte 1000 Mal  mit Ausbesserungsarbeiten bei ihr auftauchte (.. sie ist im letzten Jahr zur begeisterten Patchworkerin geworden - und musste ihre Arbeit wegen meinem Tüddelkram immerzu unterbrechen).
Ich habe zwar ein bißchen Nähen gelernt - außer Faschingskostüme, ein paar Tischdeckchen und Vorhängen habe ich nur neuen Reißverschlüssen, zerschlissenen und zerrissenen Hosenbeinen (gut dieselbigen habe ich auch gekürzt)  genäht
...dann wurde ich auf die auf all die wunderbaren Handarbeitsbloggs aufmerksam - und es kribbelte so ein bißchen in den Fingern - aber beim Gekribbel blieb es ja.

Angeregt durch dieses wunder - wunderschöne Kräuterkissen das ich  von Ute geschenkt bekam (auch hier nochmal vielen, vielen Dank, Du Liebe!)



habe ich mich gestern schnell und ohne Plan hingesetzt, und ein paar Lavendelkissen probiert (mit Stoff und Spitzenrestchen von meiner Oma - sie war Schneiderin und nach ihrem Tod habe ich alle Stoffe und Spitzen aufgehoben - nun bekommen sie einen neuen Sinn - das macht mir irgendwie ein gutes Gefühl)


So toll wie Ute kann ich nicht nähen und sticken - aber fürs Erste, bin ich ganz zufrieden mit mir.

21. Januar 2011

die Hühnerklaue - oder Huhn geklaut?

Bei uns leben im Moment 12 bzw. 11 ziemlich glückliche Hühner und ein Hahn. Bei uns leben ebenfalls zwei ziemlich glückliche aber auch ziemlich pubertierende(das vermute ich jetzt mal) Katzen.

Die Katzen übernachten im Haus, und sobald die Kinder aus dem Haus sind, dürfen das auch die Katzen. Ich bin im Moment jeden Morgen die Türsteherin der Beiden. Mit großem Miau nach draußen - eine Stunde später wieder hinein, einzeln wieder raus und rein .....so richtig nach Katzenmanier eben ;-)

Gestern kam unser Kater freudig und mit stolz geschwellter Brust zurück - im Schnütchen eine Hühnerklaue. Mir war ganz schlecht. Die Beiden sitzen täglich im Kirschbaum vor den Hühnern und beobachten diese - sehr interessiert. Ich habe zwar noch nie davon gehört, dass Katzen Hühner jagen ........ aber möglich kann alles sein - oder?

Ich habe also den armen Kater angebrüllt, halb hysterisch (weil, "wie bringe ich das den Schwiegereltern bei?" - und  "kann ich die Katzen je wieder nach draußen lassen?") und halb glucksend vor Lachen, bei dem Bild das sich mir heraufbeschwor. Die Jagd durch die Wohnung konnte beginnen. Nach einer gefühlten halben Stunde hatte ich endlich das Hühnerbein. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich es nicht gleich entdeckt hätte. Unser dicker Snickers hätte es bestimmt unter seinen 'Verschleppschrank' gezerrt, und im ungünstigesten Augenblick (wahrscheinlich gerade wenn Besuch da ist) hätte es unter dem Schrank herausgeschaut. Ich bin ja so eine kleine Kräuterhexenanwärterin, aber Hühnerklauen hänge ich mir weder um den Hals, noch trage ich sie am Gürtel herum.

Ich machte mich also auf Suche nach dem Huhn (ich hatte echte Gänsehaut) - aber außer einer Menge Federn habe ich nichts gefunden. Wie bestellt rief mein Mann an - er ist vor Lachen fast vom Stuhl gefallen, als ich es ihm erzählte - hühnerjagende Katzen - lächerlich !!!!

Tatsächlich war es wohl ein großer Greifvogel, der das Huhn erlegt hat - er hatte es mir vergessen zu erzählen.

Ich muss immer wieder glucksen vor Lachen, wenn ich an das dumme Gesicht denke, das ich wahrscheinlich gemacht habe.

Es ist auch nicht so, das mir das Huhn gleichgültig ist - aber der witzige Aspekt überwiegt im Moment.

18. Januar 2011

ich koche......

.....nein - nicht vor Zorn, sondern für den Reitverein der Motte.

Irgendwann im letzten Jahr habe ich in einem Anflug von geistiger Umnachtung zugestimmt einmal in vier Wochen mit meiner ebenso verrücktem Freundin Sabine das Reitetstübchen des Vereines wiederzubeleben (mh, vielleicht ist sie ja doch nicht so berufsfremd - die Kocherei).

Das Vereinsleben ist ja sooooo schön, man möchte sich wieder häufiger treffen, austauschen, die Jugend fördern, Zusammenhalt stärken - das waren schon schlagende Argumente. Also bin ich eigens dafür in den Verein eingetreten (reiten werde ich erst dann, wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen ;-)  )

Nun ist heute der eine Tag in vier Wochen, und ich frage mich gerade, was mich geritten hat während ich wahre Schlachten in der Küche schlage. Es gibt gefüllten Braten, Semmelknödel und Rotkohl und für die Vegetarier Spaghetti mit Tomatensauce. Semmelknödel - selbstgemacht - hirnrissige Idee

aber 

es wird bestimmt wieder ein lustiger, wunderbarer Abend mit netter Gesellschaf werden. Der KrümelundMottenvater wird mit dem Krümel ebenfalls zum Essen kommen (ich könnte es kaum verantworten, dass die Beiden zu Hause verhungern müssen, während die Motte und ich uns die Bäuche vollschlagen 'g'). Und ich werde wieder denken, war doch alles gar nicht so schlimm "Sabine, was kochen wir in vier Wochen????"

16. Januar 2011

Mein lieber, lieber Brieffreund,


Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag !!!

Nachdem ich Dich im letzten Jahr so schmählich vergessen habe, gibt es nun ganz öffentliche Wünsche.
Ich lese Deine Zeilen (inzwischen sind es ja Mails) immer noch so gerne wie vor 25 Jahren (ich finde das immer noch phänomenal, dass wir nach fast zwei Jahrzehnten Sendepause einfach da anknüpfen konnten, wo wir aufhörten).
Auf diesem Weg möchte ich Dir einfach schreiben, dass ich Dich sehr schätze und Du eine wirkliche Bereicherung für mich bist!

darf ich das...

eigentlich schreiben, das frage ich mich die ganze Zeit schon. Ich schreibe, weil es mich beschäftigt.



Nachtdienst

Das heißt von 20.30 - 6.30 zu arbeiten. Ich mache wirklich nicht oft und regelmäßig Nachdienst, denn ich arbeite nur in Teilzeit. Aber ich mache relativ gerne Nachtdienste, weil ich eine richtige Nachteule bin und weil dann alles irgendwie anders ist angefangen von der Beleuchtung über die besondere Stimmung. Und ich kann nicht so gut 'Nein' sagen, wenn es darum geht für eine/n kranke/n Mitarbeiter/in einzuspringen

Ich komme also um 20.15 erwartungsvoll  zum Nachtdienst. Bestens gerüstet mit einer großen Portion Spinattortellini, einer Tafel Schokolade, einem Netz Orangen, einem 500g Glas Joghurt, einer Falsche Multivitaminsaft und einem halben Kuchen (nein, ich bleibe nicht 2 - 3 Tage). Ich muss erst mal über mich selbst lachen, als ich versuche all das im Kühlschrank unterzubringen. Na, ja die Kollegen freuen sich sicher.

Erwartungsvoll was diese Nacht so bringen wird, wird Kaffee Nummer 1 getrunken. Na, ja mit ruhiger Nacht hat das nichts zu tun, was uns da so erzählt wird. Kaum sind wir 'Nachteulen' alleine wird klar, dass eine meiner Patientinnen versterben wird. Schnell geistlichen Beistand und Angehörige verständigen und dann bin ich einfach für sie da. Ich halte ihr die alte Hand, weil sonst noch niemand da ist - am liebsten würde ich jetzt singen 'Von guten Mächten wunderbar geborgen' - erst traue ich mich nicht recht (die Kollegen und so, irgendwie ist es ja schon ein bißchen peinlich ....) - dann traue ich mich doch, wenigstens ganz leise - nur für uns beide in den letzten Erdenminuten. Nun sind Pfarrerin und Angehörige da ...
Der nächste Notfall ist angekündigt, wir wissen nur, dass 'er' von außerhalb kommt - also ist mit allem zu rechnen. Zimmer, Beatmung und Monitoring sind zu richten...und bei meiner Patientin abzubauen
laufen, laufen, laufen
'Schwester können sie mal....' - Alarm geht an - Pfarrerin will Patientendaten - Angehörige bekommen Kaffee und Wasser und vor allem Zeit für den Abschied
laufen, laufen. laufen
Bett richten, inzwischen wissen wir es ist eine Wiederbelebung von außerhalb - Notfallmedikamente richten, 'Schwester kommen sie mal'
laufen, laufen, laufen
Planänderung wir übernehmen einen anderen Patienten - völlig anderes Krankheitsbild - alles neu richten (Mist) - im Vorbeigehen Kaffee Nummer 2 - Pflegerunde
laufen, laufen, laufen
Zugang kommt - umbetten, ankabeln, Plan richten, Medikamente anhängen - diverse Zu- und Ableitungen legen bzw dabei assistieren
laufen, laufen, laufen
schnelle Zigarette mit dem Doc im Treppenhaus - dabei Kaffee Nummer 3
große Pflegerunde - Kaffee kochen - meine Patientin mit dem wunderschönen Namen in die Pathologie verlegen (es gibt ein Geräusche das werde ich nie im Leben vergessen, ich möchte es nie, nie für meine Angehörigen hören - das Quietschen des Hubwagens)
10 Minuten Zeit bis zur nächsten Runde - Kaffee Nummer 4 und eine Orange
Pflege und Bilanzrunde - ohne Zwischenfälle - direkt ruhig - meine Gedanken kreisen - 'Schwester, Schwester ..........' (warum rufen Patienten eigentlich nur Schwester, habe ich doch auch 2 männliche Kollegen im Dienst dabei - Bruder wäre doch sicher mal was anderes) - ein Bett frisch zu machen - Durchfall und verwirrter Patient sind nicht kompatibel (bitte die innere Ruhe nicht verlieren, der Patient weiß nicht  was er tut - nach dem dritten Mal im Kopf vorsagen, ist es angekommen und wir können  miteinander scherzen)
laufen, laufen, laufen
Fahrt ins CT mit dem Neuankömmling - wieder alles abbauen, umbauen an mobile Geräte - Anruf aus dem CT - Untersuchung eine Stunde verschoben - Schxxxx
Zeit etwas zu essen (eine halbe Tafel Schokolade) und Kaffee Nummer 5 um 3.30, Durchhänger - ich bin supermüde - Fahrt ins CT dann wieder eine Pflegerunde
5.20 Kaffee Nummer 6 (keine Milch mehr da - ärgerlich) - noch 40 Minuten bis der Frühdienst kommt - 6.00 Übergabe ,  ungegessenes Essen wieder einpacken, umziehen , in fast frühlingshaftem Wetter eine Stunde nach Hause fahren - Bett ich komme - um 8.00 endlich - das Telefon klingelt (soll ich, oder nicht .... ich will) 8.30 endlich im Bett ......... warum kreisen nun die Gedanken, ich möchte doch schlafen - Telefon im Wohnzimmer unter den Kissen, was hält mich ab - die Gedanken kreisen weiter (um 9.00 letzter bewusster Blick auf den Wecker) - Haustürklingel im Unterbewusstsein (und in der Realität - es ist 11.00 - ich bekomme ein 'Erwachet' angeboten, dabei möchte ich doch endlich nur richtig schlafen) - ich falle ins Bett bis die Motte von der Schule kommt, aber an richtigen Schlaf ist nicht mehr zu denken - zu viel Kaffee- zu viele Gedanken ???